„Es gibt eine Geographie des Menschen“: Janko Ferk veröffenlicht Band mit Aufsätzen und Gesprächen zu Peter Handke
Über fünf Jahre ist es nun her, am 10. Oktober 2019, als dem Kärntner Slowenen Peter Handke von der Schwedischen Akademie der Nobelpreis für Literatur zuerkannt wurde. Janko Ferk, Schriftsteller, Honorarprofessor an der Universität Klagenfurt und Rechtswissenschaftler hat dies zum Anlass genommen, um Peter Handke in einer Monographie zu ehren.
Janko Ferks Buch enthält – so der Untertitel – „Begleitschreiben, Gespräche und Zustimmungen“. In 18 Kapiteln betrachtet er in unterschiedlichen Textsorten das vielfältige Wirken des Schriftstellers Peter Handke, anhand von Rezensionen einzelner literarischer Texte bis hin zu Überblicksanalysen. Herausstechend ist dabei das Gespräch von Michael Maier und Janko Ferk mit Peter Handke aus dem Dezember 1991 in seinem Haus in Chaville bei Paris. Dieses Gespräch wurde bereits 1993 veröffentlicht. Das Buch war aber in kurzer Zeit vergriffen; nun war es Janko Ferk ein Anliegen, „das Gespräch aufs Neue zugänglich zu machen. Es ist noch immer auf seine Art heutig. Erwähnen möchte ich, dass Peter Handke in seiner charakteristischen Art mit stockenden und zögerlichen Sätzen, aber uneingeschränkt druckreif, geantwortet hat. Ein sogenanntes Redigieren war nicht erforderlich.“
Im Zentrum des Gesprächs steht „eine Geographie des Menschen“. Räume, Orte, Sprache(n), Natur kommen zur Sprache, häufig in Verbindung mit Kindheit: das Licht des Dobratsch, Bäume und Wälder von Griffen bis Paris, der Geruch des Griffner Sees, der Krach im grauen Paris, das Sich-Loswerden an der Küste von Piran. „Ich habe keinen Heimatbegriff. Ich habe nie eine Heimat gehabt in dem Sinn – erst im Nachhinein habe ich gewusst: Das war Heimat, so, wie es vielleicht vielen von uns geht. Da ist diese Kinderlandschaft, da sind vielleicht die bestimmenden Jahre von vier bis dreizehn. Ein Kind denkt noch nicht: ‚Heimat‘. Aber mit der Heimat geht man immer herum, durch die Welt, dort und dort“, heißt es da an einer Stelle und später: „Slowenien ist meine Geh-Heimat. […] Im ‚Gehen-dort‘ bin ich zuhause.“ Peter Handke betont „die wunderbare Vielfalt der Sprachen! Es ist etwas Herrliches, dass eine Sprache etwas nicht hat, was die andere hat, aber auf eine gewisse Weise ergänzen einander alle.“
Janko Ferks Befund, dass das Gespräch selbst nach 34 Jahren „heutig“ sei, zeigt sich unter anderem an dieser Passage: „In Slowenien und in Südkärnten, da sehe ich die unscheinbaren Orte gut – sie bekommen eine Bedeutung. […] Wenn man sagt: Ja, da war doch dieser Weg, weißt Du noch, da war so ein kleines Dreieck in der Mitte, wo die Wege zusammengekommen sind – da kann man alle Leute zum Reden bringen, nicht nur zum Reden, sondern zum Erzählen. Wenn einer der Politiker das Geheimnis beherrschen würde, wenn ein Politiker Erzähler wäre, dann wäre vieles nicht so arg geworden – der würde die Leute zum Erzählen bringen, und Erzählen ist Versöhnen.“
Janko Ferk (2024). Peter Handke. Begleitschreiben, Gespräche und Zustimmungen. Berlin: LIT Verlag.