IfEB Spotlight März 2025: Diana Vogetseder „Pedal Power für Veränderung“

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?

Meine Masterarbeit kann dem informellen Bereich des Lernens bzw. der selbstorganisierten-aktivistischen Weiterbildung Erwachsener zugeordnet werden. So beschäftige ich mich mit der Frage, inwiefern frauengeführte Radcommunities emanzipatorische Lernorte für eine sozial-ökologische Transformation sein können. Dabei interessiert mich, welche geteilten Erfahrungen und erzählten Erlebnisse die Teilnehmenden in den gemeinsamen Radaktivitäten machen, welche Bedeutung diese für sie haben und inwiefern sie diese lern- und bildungsbezogenen Erfahrungen auch in weitere Lebensbereiche kompetent transferieren. Aus diesen subjektwissenschaftlichen Erzählungen und rekonstruierten Wahrnehmungen von (veränderten) Selbst- und Weltverhältnissen der Teilnehmenden bezogen auf die Mensch-Umwelt-Relation (Cennamo & Vogetseder, 2024) lassen sich erwachsenenbildungswissenschaftliche Hinweise finden, die Aufschluss über individuell und kollektiv bedeutsame Lern- und Bildungsprozesse im Kontext des sozial-ökologisch gerechten Lebens, hier: gemeinsames Radfahren, geben können. Das Feld dabei ist ein selbstorganisiertes, in den Bereich der Selbstbildung verortbares, freizeitbezogenes Engagementfeld Erwachsener, das (vorerst) im Bildungsdiskurs nicht als Lernort erscheinen mag.

Ausgangspunkt für meine Forschung waren neben meinem persönlichen sozial-ökologischen (Lern)Interesse, der eigenen (Bildungs-)erfahrungen während (gemeinsamen) Ausfahrten und Radreisen sowie die allgemeine Verbundenheit mit dem Gegenstandsbereich auch eine vorangegangene erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema im Rahmen des Seminars „Praxen der am Gemeinwesen orientierten Erwachsenenbildung: Traditionen freier Bildungsarbeit mit/von Erwachsenen in Vergangenheit und Gegenwart“. Darin durfte ich in einem themenzentrierten Interview mit einer Organisatorin und Teilnehmerin eines frauengeführten Radclubs in Schottland über die Aktivitäten ihres Vereins sprechen. Die von ihr berichteten Erzählungen und die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit haben mein Interesse verstärkt, mich tiefergehend mit der community-basierten Erwachsenenbildung auseinanderzusetzen und der Forschungsfrage nachzugehen, nämlich inwiefern hier an einem sozialen und naturnahen – mobilen – Ort, der vorwiegend der Freizeit, der Erholung und Gesundheit zugeordnet wird, emanzipatorische Lernprozesse für eine sozial-ökologisch gerechte Gestaltung des Lebens stattfinden können. Derzeit befinde ich mich in der Auswertung der gesammelten Daten und schaue gespannt auf die Ergebnisse voraus.

Weiters war es für die Masterarbeit wichtig, im Sinne der Chancengerechtigkeit auf Lerninteressen und Lernorte auch abseits organisierter bzw. außerhalb von akkreditierten Weiterbildungsmöglichkeiten zu blicken. Chancengerechtigkeit bezogen auf plurale Lebensformen und vielfältigem Engagement, das gleichzeitig in soziale und ökologische Systeme eingebettet sind, war mir dabei ein wichtiges Anliegen.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?

Wird die historische Entwicklung und Entstehung der Erwachsenenbildung betrachtet, so zeigt sich eine enge Verschränkung mit (sozialen), meist selbstorganisierten Lernmöglichkeiten in ihrer Entstehungsgeschichte. In Österreich beispielsweise lassen sich die Entwicklung der Fachgruppen für Fächer wie Photographie, Astronomie, Sprachen (Filla, 2001) nennen und auch international betrachtet lassen sich die Traditionen der Erwachsenenbildungspraxis entstehend aus Bewegungen der Arbeiterklasse-, feministischen Bewegungen und/oder Verschränkungen dieser bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts nachvollziehen (Cennamo & Vogetseder, 2024). Auch da ging es um ein breitenkulturelles, sozial gerechtes, nachhaltiges Leben im weiteren Sinne. Dabei handelt es sich nicht immer um große Bewegungen. Vielmehr entstanden und entstehen diese aus kleinen bottom-up Initiativen oder Vereinen, die im eigenen Lebensumfeld, in nachbarschaftlichen, geselligen und/oder interessegeleiteten Zusammenschlüssen auch zivilgesellschaftlich engagiert eigene Bildungsinitiativen gestalten und sich aktiv daran beteiligen (vgl. Cennamo, 2021, S. 214 f.; Finnegan, Fragoso, Merrill, 2023, S. 10 f.;  Grummell, 2023, S. 149 f.).

Weiters sind die Themenfelder rund um ein nachhaltiges Leben schon lange Gegenstand der Erwachsenenbildungspraxis und -wissenschaft (vgl. Lange, 2023, S. 30, vgl. Singer- Brodowski, 2016a, S. 14; Cennamo & Vogetseder, 2024). Im Kontext der Bildung für nachhaltigen Entwicklung (BNE) wird (bildungspolitisch) vorwiegend auf Angebote geblickt und befördert, die in Form von angeleiteten Lern- und Bildungsmöglichkeiten zur Entwicklung und Ausstattung von umweltbezogenen Skills abzielen. Diese Programme lassen jedoch etwaige Verflechtungen mit neoliberalen, neokolonialen und strukturellen Ursachen außen vor und befördern vielmehr die Individualisierung von gesamtökologischer, gesamtgesellschaftlichen und/oder global wirtschaftlicher Schieflagen. Hier setzt mein Forschungsinteresse an und fragt, inwiefern unter Umständen auch beispielsweise in nicht angeleiteten Orten für ein nachhaltiges Leben und eine breite Auffassung von sozial-ökologischer gerechter Transformation gelernt wird.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?

Die Forschung folgte einem qualitativ-interpretativen Zugang im Rahmen der (Reflexiven) Grounded Theory (Breuer& Muckel& Dieris, 2019). Diese methodologisch-interaktionistische, methodisch-rekonstruktive Vorgehensweise habe ich gewählt, da sie durch meine eigene Verwobenheit mit dem Forschungsfeld auch die Möglichkeit geboten hat, die eigene Verortung im Bereich der Fahrradcommunity miteinfließen zu lassen. In der (Reflexiven) Grounded Theory werden (Be)Deutungen, Erfahrungen, Erlebnisse der Forschenden und Teilnehmenden im gemeinsamen qualitativen Forschungsprozess als zentrale Erkenntnisquelle für ein tieferes Verständnis der (sozialen) Wirklichkeit zugesprochen. Ebenso war es wichtig, eine gewisse Offenheit im Forschungsprozess beizubehalten, um eventuell neu generierte oder veränderte Perspektiven aus der Forschung weiterhin entsprechend berücksichtigen zu können.

Die methodische Vorgehensweise umfasste zu Beginn der Forschung die Durchführung einer thematischen Analyse (Braun & Clarke, 2006) in community-spezifischen Foren und Social Media Kanälen, woraufhin mit den Erkenntnissen aus der Analyse der Leitfaden für die Durchführung der anschließenden Online-Fokusgruppe (Niederberger & Zwick, 2023) erstellt wurde. Der Austausch der Fokusgruppe wurde anschließend transkribiert und mittels Reflexiver Grounded Theory (Breuer& Muckel& Dieris, 2019) ausgewertet. Der gesamte Forschungsprozess wurde gleichfalls vom Schreiben von Memos und Notizen begleitet. Diese werden sodann ebenso mit in den Auswertungsprozess aufgenommen.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Ich würde allen Personen empfehlen, sich im Vorfeld der Masterarbeit ausreichend Zeit für die Themenfindung zu nehmen, da mensch einiges an Zeit mit der Thematik verbringt. Ein persönliches Interesse an dem Forschungsfeld oder Gegenstand und auch eine pragmatische, professionsbezogene, oder lebens- und oder arbeitsnahe Neugierde für die Thematik kann besonders während herausfordernden Phasen der Forschungs- und Schreibarbeit ein wertvoller Anker sein, um die Motivation wiederzufinden.

Ein gut ausgearbeiteter Zeitplan ist meines Erachtens sehr wichtig. Es ermöglicht eine strukturierte Vorgehensweise, kann aber weiters auch wichtig sein, um in schwierigen (Schreib)phasen dranzubleiben und sehen zu können, was bereits geschafft wurde. Außerdem würde ich allen empfehlen, realistisch zu planen und auch Zeitpuffer zu berücksichtigen, damit auch reflektierende, besinnliche Zeiten, die angeblich weniger bereichernd für das Vorankommen scheinen, eine Daseinsberechtigung für den Forschungsprozess haben.

Ich kann dabei auch jeder*m empfehlen, für die wissenschaftliche Arbeit auf die eigenen, bewährten Arbeitsweisen zurückzugreifen. So habe ich beispielsweise zur Datenauswertung das Transkript der Fokusgruppe ausgedruckt, wenngleich ich ansonsten vorwiegend digital arbeite und Ausdrucke auf Papier vermeide. Das ausgedruckte Material und mein kunterbunter Farbenmix auf Papier half mir, mich intensiver und reflexiver – auch kreativ-spielerisch, wenn wohl immer forschungspraktisch und -theoretisch begründet, mit den (Roh)Daten zu beschäftigen und haptisch am Material zu arbeiten.

Abschließend möchte ich allen gegenwärtigen und zukünftigen IfEB Studierenden viel Erfolg und Durchhaltevermögen für die Masterarbeit wünschen. Es ist eine herausfordernde, aber bereichernde Aufgabe zugleich.


Literatur:

Braun,V. & Clarke, V. (2006): Using thematic analysis in psychology. In: Qualitative Research in Psychology, 3 (2). pp. 77-101. Retrieved online: http://eprints.uwe.ac.uk/11735

Breuer, F.&  Muckel, P. & Dieris, B. (2019): Reflexive Grounded Theory. Eine Einführung für die Forschungspraxis (4. Auflage). Wiesbaden: Springer VS.

Cennamo, I. (2021a): „Ka-an überseh’n!“ Von Phänomenen der (In-)Visibilisierung in der Weiterbildung am Beispiel entgrenzter Erwachsenenbildung in Kärnten. In: Lernweltforschung: Bildung für alle? Für ein offenes und chancengerechtes, effizientes und kooperatives System des lebenslangen Lernens in Österreich. Wiesbaden. (36) S. 299 – 329.

Cennamo,I., Vogetseder D. (2024): Erwachsenenpädagogische Konzepte zur Reflexion über Bildung zur nachhaltigen Entwicklung, erwachsenenbildung.at Online:https://erwachsenenbildung.at/themen/klimaschutz-und-nachhaltigkeit/erwachsenenpaedagogische-konzepte.php#gemeinwesenorientierte-erwachsenenbildung

Filla, W. (2001): Wissenschaft für alle – ein Widerspruch? Bevölkerungsnaher Wissenstransfer in der Wiener Moderne. Ein historisches Volkshochschulmodell. Innsbruck – Wien – München: Studienverlag.

Finnegan, F., Fragoso, A., Merrill, B. (2023): Radical Popular Education Today: Prospects and Possibilities” In: European Journal for Research on the Education and Learning of Adults 14 (1):9-15. Online: https://doi.org/10.3384/rela.2000-7426.4691

Grummel, B. (2023): Maintaining deep roots: The transformative possibilities of adult literacy education. In: European Journal for Research on the Education and Learning of Adults 14 (1):145-162. Online: https://doi.org/10.3384/rela.2000-7426.4322

Lange, E. (2023): Transformative Sustainability Education: Reimagining our future. New York: Routledge.

Niederberger, M. & Zwick, M. (2023). Online Focus Groups: Opportunities and Challenges From the Perspective of Research Practice. Forum Qualitative Sozialforschung Forum: Qualitative Social Research, 24(3). DOI: 10.17169/fqs-24.3.3982

Singer-Brodowski, M. (2016a): Transformative Bildung durch transformatives Lernen. Zur Notwendigkeit der erziehungswissenschaftlichen Fundierung einer neuen Idee. Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik, 39 (1), S. 13–17.

Zu allen Spotlights

IfEB-Spotlight Dezember 24: Julia Mayer „Kompetenzentwicklung und Lerntransfer in der Praxis“

Arbeitstitel:

Kompetenzentwicklung und Lerntransfer durch Lernportfolio und Fokusgruppe in der beruflichen Weiterbildung der Elementarpädagogik

Thema und Bedeutung für mich:

Als in der Erwachsenenbildung tätige Pädagogin, die kontinuierlich mit Teilnehmenden aus eigenen Lehrgängen arbeitet, ist mir das Thema Kompetenzentwicklung und Lerntransfer in der Praxis besonders wichtig. Meine Masterarbeit untersucht, wie Lernportfolios und Fokusgruppen den Aufbau und die nachhaltige Übertragung von Kompetenzen in den Berufsalltag von Elementarpädagog*innen unterstützen können. Diese Arbeit ist für mich ein bedeutendes Lernfeld geworden und hat auch mein eigenes berufliches Handeln stark geprägt. Durch die Reflexion meiner Methoden und die Verknüpfung theoretischer Erkenntnisse mit den praktischen Erfahrungen aus meinen Lehrgängen konnte ich neue Perspektiven und Ansätze entwickeln, die mich sowohl als Fachkraft als auch als Ausbildungsträger weiterbringen.

Verbindung zum Studium:

Meine Masterarbeit stellt das größte Lernfeld meines Studiums dar, da sie Theorie und Praxis auf einzigartige Weise verknüpft. Der kontinuierliche Austausch mit den Teilnehmenden meiner Lehrgänge gibt mir wertvolle Einblicke in ihre Lernprozesse und Herausforderungen. Die in meinem Studium erworbenen Kenntnisse zur Kompetenzentwicklung und zum Lerntransfer haben mich dabei unterstützt, praxisnahe Lehrmethoden zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse und den beruflichen Kontext der Teilnehmenden zugeschnitten sind.

Vorgehen im Forschungsprozess:

In meiner Arbeit kombiniere ich qualitative Methoden und setze Lernportfolios sowie Fokusgruppen ein, um die Entwicklung und Anwendung von Kompetenzen zu fördern und zu dokumentieren. Die transkribierten Fokusgruppengespräche und die Aufzeichnungen der Lernportfolios bieten mir umfassende Daten, die es ermöglichen, die individuellen Lernerfahrungen und die praktische Umsetzung des Gelernten in der Elementarpädagogik detailliert zu analysieren. Diese Forschungsansätze haben sich als besonders wertvoll erwiesen, um die nachhaltige Kompetenzentwicklung zu fördern und deren Übertragung in die berufliche Praxis zu unterstützen.

Erfahrungen und Tipps für andere Studierende:

Die Arbeit an einer solchen Masterarbeit ist nicht nur fordernd, sondern auch unglaublich bereichernd. Für Studierende, die ein ähnliches Projekt beginnen, empfehle ich, ausreichend Zeit für die Auswahl und Einarbeitung in die Forschungsmethoden einzuplanen. Der regelmäßige Austausch mit den Teilnehmenden und das Einholen von Feedback sind ebenso wichtig, um verschiedene Perspektiven einfließen zu lassen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Durch die kontinuierliche Reflexion und das Feedback von Teilnehmenden konnte ich nicht nur mein Verständnis für die Praxis vertiefen, sondern auch meine eigenen Lehrmethoden und -konzepte verbessern. Dies hat mein Studium und meine Arbeit in der Erwachsenenbildung nachhaltig bereichert und vertieft.

Zu allen Spotlights

IfEB-Spotlight November 2024: Michael Eder

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?

Ich habe mich im Zuge meiner Masterarbeit mit dem Thema „Schulverweigerung“ beschäftigt, insbesondere mit der Prävention und Intervention durch Schulsozialarbeit. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich beruflich als Schulleiter einer Mittelschule intensiver mit diesem Thema, weil Schulverweigerung in etwa 5% der Schülerinnen und Schüler betrifft.

Durch die intensive Recherche während des Schreibens der Arbeit konnte aufgezeigt werden, wie wichtig die Implementierung von Schulsozialarbeit an allen Schulstandorten wäre, und dass eine Rückführung von schulverweigernden Kindern und Jugendlichen mit Hilfe von Schulsozialarbeit durchaus möglich ist – wenn die Intervention so früh wie möglich beginnt.

Für meine berufliche Tätigkeit habe ich durch diese Arbeit eine wichtige Argumentationsquelle für den Verbleib von Schulsozialarbeit an meiner Schule erhalten, umgekehrt hat auch die Schulsozialarbeit eine Argumentationsquelle für die wichtige Arbeit an den Schulen gewonnen.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?

Im Zuge des Studiums „Schulpädagogik“ habe ich eine Veranstaltung zur Schulsozialarbeit und deren Angeboten besucht, wodurch ich auf die Einzelfallhilfe von Schulsozialarbeit aufmerksam wurde. Die Inhalte des Seminars habe ich dann mit meiner beruflichen Arbeit perfekt verbinden können. Ich wollte mit dem Thema die gering bis gar nicht beachtete Gruppe der schulverweigernden Kinder und Jugendlichen vor den Vorhang holen.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?

Im ersten Teil der Arbeit habe ich mich intensiv mit der vorhandenen Literatur zu den Themen Schulverweigerung und Schulsozialarbeit beschäftigt: Was sind die Gründe und die auslösenden Faktoren für Schulverweigerung, wie viele schulverweigernde Kinder und Jugendliche gibt es, wurden dazu bereits Studien durchgeführt? Ein großes Kapitel hat sich mit der Arbeit der Schulsozialarbeit beschäftigt. Danach habe ich versucht diese beiden Themengebiete in Verbindung zueinander zu setzen.

Im qualitativen Forschungsteil der Arbeit wurden Experteninterviews geführt, welche die Wichtigkeit von Schulsozialarbeit an allen Schulstandorten unterstrichen haben, im Besonderen bei der heiklen und zeitintensiven Rückführungsarbeit von schulverweigernden Kinden und Jugendlichen. Die Interviews wurden im Zuge der Auswertung in Bezug zur Literaturrecherche gesetzt.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Die Themenauswahl einer Arbeit ist eine wichtige Entscheidung. Man taucht über einen längeren Zeitraum in ein Thema ein, daher sollte dieses Thema eines sein, welches man mit Neugier, Interesse und Freude angeht. Der wichtigste Tipp ist, sich genügend Zeit für die Arbeit zu nehmen, um nicht unter Druck schreiben zu müssen. Manchmal benötigt man dazwischen ein paar Tage Abstand, um dann wieder voll durchstarten zu können. Und mit dem richtigen Betreuer an der Seite wird das Schreiben zum Genuss!

Zu allen Spotlights

IfEB-Spotlight Oktober 24: Andrea Becker „Studienberechtigungsprüfung als Zugangsvoraussetzung zur Universität“

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?

Meine Masterarbeit beschäftigte sich mit den Beweggründen und Motiven für die Aufnahme eines Studiums über den Weg der Studienberechtigungsprüfung (SBP). Ausgangspunkt war ein Projekt im Rahmen einer Studienassistenz bei Univ.-Prof. Dr. Peter Schlögl, das sich mit den Lern- und Lebenswelten von Personen, die die SBP absolviert haben, beschäftigte. Durch die Interviews, die ich im Rahmen dieses Projektes führte, stellte ich fest, dass alle Personen sehr motiviert waren, die SBP und in weiterer Folge das Studium abzuschließen. So kam ich zum ersten Mal mit der Studienberechtigungsprüfung in Berührung. Zwei Jahre später war ich selbst im Lehrgangsbüro dieses Lehrgangs tätig und stellte fest, dass einige der damals befragten Personen nicht mehr an der Universität inskribiert waren. Das weckte mein Interesse, den Gründen nachzugehen und herauszufinden, wo die damalige Motivation geblieben war. Leider scheiterte das Vorhaben am Zugang zu dieser Studierendengruppe aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen. So drehte ich das Thema um und stellte die Motive und Beweggründe dieser Personen in den Vordergrund. Damit änderte sich die Zugangsmöglichkeit zu dieser Studierendengruppe. Dankenswerterweise meldeten sich sehr viele Personen auf meine Aussendung. Damit war auch meine Motivation wieder da.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?

Nicht nur durch meine Ausbildung zur Lernberaterin, die ich vor über 10 Jahren abgeschlossen habe, liegt mein Interesse am Thema Lernen. Während meines Studiums konnte ich mich unter anderem intensiv mit verschiedenen Lern- und Bildungstheorien auseinandersetzen und wissenschaftlich fundiertes Wissen erwerben. Darüber hinaus ist es mir wichtig, das theoretisch erworbene Wissen mit der Praxis zu verknüpfen bzw. in die Praxis umzusetzen. Dies ist einer der Gründe, warum ich mich mit den Motiven und Beweggründen aus verschiedenen lerntheoretischen Perspektiven auseinandersetzen wollte.

Mein Thema hat viele Berührungspunkte mit den einzelnen Fächern des Studiums. Mein besonderes Interesse wurde im Masterstudium jedoch durch die verschiedenen Lerntheorien geweckt, insbesondere durch die subjektwissenschaftliche Lerntheorie, die subjektive Lernbegründungen im Kontext gesellschaftlicher Rahmenbedingungen betrachtet. Im Mittelpunkt steht das Subjekt mit all seinen Gründen zu lernen, aber auch nicht zu lernen. Gründe, etwas zu tun (oder nicht zu tun), sind nicht immer explizit verfügbar. Hier fließen biografische Aspekte ein, die in der Folge konkrete Bildungssituationen, Motivation und Lernhaltungen entsprechend förderlich oder hinderlich beeinflussen können und in der Erwachsenenbildung von großer Relevanz sind.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine qualitative empirische Untersuchung gewählt. Dabei war es mir wichtig, keine Antwortmöglichkeiten vorzugeben, um den tatsächlichen Motiven und Beweggründen möglichst nahe zu kommen. Die Kontaktaufnahme erfolgte über eine Mailaussendung an alle Studierenden der Universität Klagenfurt, auf die sich einige Personen meldeten, die die Studienberechtigungsprüfung abgelegt hatten. Als Erhebungsmethode wurde das problemzentrierte Interview gewählt. Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik wurde ein Leitfaden erstellt. Während der Interviews achtete ich darauf, den Leitfaden nicht aus den Augen zu verlieren, trotzdem aber flexibel, sensibel und dem Gespräch angepasst mit dem Leitfaden umzugehen.

Die Interviews wurden mit dem Einverständnis der Befragten aufgezeichnet und transkribiert. Die Auswertung der Daten erfolgte in Anlehnung an die Grounded Theory. Ziel dieser Arbeit war jedoch nicht die Erstellung einer Theorie, sondern vielmehr die Anwendung des Analyseverfahrens und die Entwicklung eines Kategoriensystems. Dazu verwendete ich MAXQDA, das ich sehr zu schätzen gelernt habe. Die einzelnen Schritte des Kodierens dienten dazu, das Datenmaterial vor dem Hintergrund des Vorwissens aufzubrechen, bestimmte Kategorien zu finden und auszuarbeiten, bevor diese theoretisch untermauert und wieder zusammengefügt wurden.

Der Forschungsprozess war zirkulär. Das Datenmaterial wurde unmittelbar nach der ersten Erhebung transkribiert und anschließend codiert. Nach weiteren Erhebungen wurde das Material laufend verglichen und das Codesystem verfeinert und angepasst. In weiterer Folge wurden die Ergebnisse dargestellt, wobei auf die einzelnen Kategorien eingegangen wurde, bevor sie im Kontext des theoretischen Rahmens zusammengefasst wurden.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Als einen der wichtigsten Punkte sehe ich das Interesse und die Neugier am Thema. Das Schreiben der Masterarbeit nimmt einige Zeit in Anspruch, wenn das Interesse am Thema fehlt, wird es schwierig, motiviert zu bleiben. Außerdem weckt Neugier den Forschergeist.

Um einen späteren Themenwechsel zu vermeiden, ist es wichtig, sich im Vorfeld über den Zugang zu Interviewpersonen zu informieren. Bei meinem ersten Projekt hatte ich zwar Bedenken, aber ich habe darauf vertraut und wohl auch gehofft, dass ich genügend Personen finden würde. Leider war das nicht der Fall und ich musste umdisponieren. Das hat viel Zeit gekostet und war sehr demotivierend.

Sollten einmal nur kürzere Zeitfenster zur Verfügung stehen, können diese beispielsweise für Literaturrecherchen genutzt werden. Die Recherchearbeit wird oft unterschätzt, ist aber ein wesentlicher Bestandteil, um später gut voranzukommen. Also nicht verzweifeln, wenn sich die investierte Zeit nicht in geschriebenen Zeilen niederschlägt. Jede Vorarbeit zahlt sich aus.

Um den Einstieg zu erleichtern, kann Freewriting eine gute Unterstützung sein. Wenn es schwer fällt, ins Thema zu kommen oder mit dem Schreiben anzufangen, kann es Wunder wirken, sich einen Begriff oder ein Thema auszusuchen und zehn Minuten lang einfach drauflos zu schreiben. Das kann helfen, ins Schreiben zu kommen, Vorwissen zu aktivieren oder auch neugierig auf mehr zu machen.

Ich habe mit dem Inhaltsverzeichnis angefangen. Das war zwar am Anfang sehr aufwendig, hat mir aber später das Schreiben sehr erleichtert. Im Grunde ging es dann „nur noch“ darum, die einzelnen Kapitel zu füllen, der Fahrplan war schon da (auch wenn sich natürlich noch Änderungen ergeben können).

Für die Auswertung der Interviews habe ich MAXQDA verwendet. Die Software wird übrigens von der Universität kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Zeit, die ich in die Einarbeitung investiert habe, hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Zu guter Letzt:

Lasst euch von Tiefs nicht unterkriegen. Auf jedes Tief folgt ein Hoch!

Zu allen Spotlights